Walter Heun ist seit 2009 künstlerischer Intendant des Tanzquartier Wien. © www.picturedesk.com

Tempel der Tanzkunst

Das Tanzquartier Wien begeistert seit 15 Jahren sein Publikum. Es hat das Bewusstsein für Tanz und Performance in der Stadt maßgeblich verändert. Ein Rückblick mit Walter Heun, Intendant des Tanzquartiers Wien.

Offen, kreativ, modern: Das Tanzquartier Wien (TQW) gilt längst als Institution für Tanz und Performance. Vor allem mit dem Vorantreiben der künstlerischen Forschung und Theorie am Haus hat das TQW im MuseumsQuartier Maßstäbe gesetzt. Es umfasst drei Tanzstudios, ein öffentlich zugängliches Medienzentrum mit Bibliothek, Videothek und Zeitschriftengalerie. Die Online Mediathek beinhaltet über 500 Aufzeichnungen von Performances und zeitgenössischen Tanz-Stücken. Im MuseumsQuartier gehen jährlich rund 120 Aufführungen über die Bühne.

inwien.at: Wo sehen sie die Stärken ihres Hauses?

Walter Heun: Im Tanzquartier Wien kommt eine außergewöhnliche Mischung an Kompetenzen in künstlerischer Programmorganisation, Theorie und Dramaturgie, Produktion und Technik zusammen. Diese ist im deutschsprachigen Raum einzigartig. Es erfüllt mich mit Freude, solch ein Team am TQW aufgebaut haben zu können.

Rückblickend: Wie hat das TQW das Bewusstsein für Tanz in Wien verändert?

Seit seiner Gründung hat das Tanzquartier Wien Tanz und Performance in einer internationalen Dimension gedacht. Dabei hat es sich als das Haus etabliert, wo künstlerische Forschung und Theorie einander begegnen. Das Tanzquartier Wien ist das einzige Tanzhaus weltweit, das sich dem Nachdenken über die Kunstform Tanz und seinen Möglichkeitsräumen voll und ganz verschrieben hat. Dies wird auf dem ganzen Globus mit Interesse verfolgt. Vielleicht hat das ja auch eine Resonanz in der in Wien lebenden und arbeitenden Szene gefunden, die zu den aufstrebendsten gehört?

Wie hat sich der zeitgenössische Tanz in den vergangenen Jahren verändert?

Ich denke, die dogmatische Trennung zwischen Tanz und Performance hat sich aufgelöst. Der zeitgenössische Tanz, der eigentlich unzeitgemäßer Tanz heißen müsste, weil er seiner Zeit voraus ist, inspiriert die anderen Künste. Viele Kunstorte haben heute performative Künste im Programm oder eröffnen Performance Spaces.

Das TQW hat eine ganz neue Generation von ChoreografInnen national und international mit aufgebaut. Warum war gerade Wien der richtige Boden dafür?

Wien bietet eine außerordentliche Tanz und Performanceszene. Sie konnte teils mit der Gründung des Tanzquartiers etabliert werden. Wir haben mit dieser Generation immer weiter gearbeitet und ihre internationale Vernetzung intensiviert. Zugleich haben wir eine neue Generation begleitet und mit aufgebaut.

Wie hat sich die Auslastung des Tanzquartiers in den vergangenen 15 Jahren entwickelt?

Die Auslastung war eigentlich von Beginn an sanft ansteigend, so dass wir heute regelmäßig über 80 Prozent pro Saison haben.

Was ist ihnen bei ihrem Publikum wichtig?

Mir ist wichtig Menschen für Tanz und Performance zu interessieren und sie mit auf eine Reise „Richtung Zeitgenossenschaft“ zu nehmen. Dabei wollen wir uns mit ihnen gemeinsam Fragen stellen und uns dem Trend zur Simplifizierung entgegen stellen. „Enjoy complexity!“ könnte man leise bei sich denken. Aus einem Kreis regelmäßig wiederkehrender Eingeweihter ist ein rolierendes Publikum geworden. Es werden heute verschiedene Gesellschaftsschichten angesprochen und Menschen mit sehr unterschiedlichen Zugängen zu Kunst und Kultur.

Sie haben stets Kooperationen mit verschiedenen Institutionen wie dem Mumok, dem Leopold Museum, der TBA 21 oder auch der Tate Modern gesucht. Warum?

Ich wollte Tanz und Performance in der öffentlichen Wahrnehmung näher bei der Bildenden Kunst positionieren. Denn diese Kunstform hat viel mehr mit den künstlerischen Praxen und Strategien, wie sie Künstlerinnen und Künstler bei uns betreiben, zu tun. Und auch mit der Art wie ihre Wahrnehmung und Wirkweise in Erscheinung tritt.

Seit 2016 prangt der Tanzquartier-Schriftzug an der Fassade der Winterreithalle. Welche symbolische Bedeutung hat das für Sie?

Das Tanzquartier Wien war bis dahin das einzige Tanzhaus in Europa, wo nicht drauf stand, was drin ist. Da dieses Haus zwar der Stadt Wien gehört, aber für die Kunstform Tanz in ganz Österreich steht, hatte dies große symbolische Bedeutung.

Gewinnspiel: Tanzquartier Wien

Am 21. Februar erwartet GewinnerInnen eine beeindruckende Vorstellung des Cullberg Ballet unter der Leitung von Jefta van Diether. © Urban Jörén

Mit den Tänzerinnen und Tänzern des renommierten Cullberg Ballet aus Stockholm verzaubert der Choreograf Jefta van Dinther sein Publikum. Zu gewinnen gibt es Karten für die Veranstaltung am 21. Februar im Tanzquartier Wien.

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