Seit neun Jahren ist Daniela im Team der WasteWatcher und häufig im 20. Bezirk unterwegs. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter WasteWatcher: "Ich schau darauf, dass Wien sauber bleibt."

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen und Serviceeinrichtungen der Stadt Wien. inwien.at begleitet WasteWatcher Daniela einen Tag lang bei der Arbeit. Gemeinsam mit ihren KollegInnen sorgt sie dafür, dass Mist dort landet, wo er hingehört.

Video: WasteWatcher: Für ein sauberes Wien

"Der Nachmittagsdienst liegt mir mehr", sagt Daniela und zieht ihr blaues Gilet über. Sie nimmt noch einen Schluck Kaffee. "An die Frühschicht werde ich mich nie gewöhnen. Vier Uhr aus dem Bett. Für einen Morgenmuffel ein Kraftakt. Ich brauche drei Wecker, um wach zu werden." Das Häferl kommt in den Geschirrspüler. Danach ein Blick aus dem Fenster der MA 48 – Zentrale im 5. Bezirk. "Für heute ist Regen angesagt. Aber vielleicht hält's ja." Die Tasche unter dem Arm ruft sie ins Nebenzimmer: "Gerhard, bist fertig?" Der Kollege kommt ins Büro. "Super. Dann kann's ja losgehen."

Daniela steigt in den Dienstwagen vor der Zentrale der MA 48 im 5. Bezirk. Dienstbeginn ist je nach Schicht um sechs Uhr früh oder um 13.30 Uhr am Nachmittag. © PID/Christian Jobst

Niemand mag Hundstrümmerl

Daniela und ihr Kollege sind WasteWatcher. Das sind jene Frauen und Männer, die seit 2008 darauf schauen, dass Wien sauber bleibt. 50 arbeiten hauptberuflich, 400 im Rahmen ihrer Tätigkeit bei den 48ern, Wiener Wohnen und den Wiener Stadtgärten. Seit die mobile Truppe im Einsatz ist, landet der Mist um einiges öfter dort, wo er hingehört. Gut so, findet Daniela, "schließlich gibt es genug Mistkübel und Aschenrohre dafür. Und ganz ehrlich. Wir ärgern uns doch alle, wenn wir in Hundstrümmerl steigen."

Daniela hält sämtliche Vergehen mit ihrer Kamera fest . © PID/Christian Jobst

Die Kamera ist immer mit dabei

Auf dem Weg zum Auto geht Daniela noch einmal die Route durch. "Den Dienstplan bekommen wir immer am Freitag", sagt sie. "Darin steht dann, welches Team wo unterwegs ist." Tag für Tag. Bei jedem Wetter. In Zweierteams. Erste Station heute ist der Allerheiligenpark in der Brigittenau. "Da kennt man uns schon." Sie überprüft noch einmal, ob alles eingepackt ist. Dienstausweis, Strafzettel, Erlagscheine, Notizblock, Kugelschreiber und die kleine Kamera. Damit dokumentiert sie Müllsünden.

Mit ihrer blonden Mähne wird Daniela auf ihrer Tour durch den 20. Bezirk von vielen AnrainerInnen erkannt. © PID/Christian Jobst

Frau der ersten Stunde

Seit neun Jahren ist die gebürtige Niederösterreicherin bereits im Dienste der Sauberkeit quer durch Wien unterwegs. Sie hat kleine und große Müllsünden im Visier: Tschickstummel auf der Straße, Hundekot in der Wiese, verschimmeltes Brot im Gebüsch unter Stauden, Einkaufswagerl in Hauseinfahrten. Als die Stadt Wien WasteWatcher gesucht hat, war sie noch Sekretärin. "Ich hab es im Radio gehört und mein erster Gedanke war: Da muss ich hin", erinnert sie sich. "Weil ich schon als Kind nicht verstanden habe, warum man Mist einfach auf den Boden wirft." Daran hat sich nichts geändert. "Heute kann ich aber dazu beitragen, dass sich das ändert." Auch ihre langen blonden Locken spielen dabei eine Rolle. Sie lacht und beginnt ihren Rundgang. "Weil mich die Leute schon von Weitem erkennen und wissen, jetzt wird kontrolliert. Selbst wenn ich in Zivil im Einsatz bin. Gut möglich, dass sie den Mist dann ordnungsgemäß entsorgen."

Essensreste gehören nicht auf den Boden, sondern im Mistkübel entsorgt. © PID/Christian Jobst

Ansprechperson vor Ort

Der Allerheiligenpark ist gut besucht. Trotz Regenvorhersage scheint die Sonne. Die Anrainerinnen und Anrainer sitzen beisammen und genießen die Frühlingsluft. Daniela geht aufmerksam die Wege entlang, sucht die Wiese ab und kontrolliert die Toilettenanlagen. Sie fotografiert Essensreste, verstreute Schalen von Sonnenblumenkernen. Zur Dokumentation, wie sie erklärt. "Eingreifen können wir nur, wenn wir sehen, wer das verursacht hat."

Auf dem Weg durch den Park hört sich Daniela die Anliegen der Anrainerinnen und Anrainer an. © PID/Christian Jobst

Immer wieder geht sie auf Leute zu, informiert und mahnt. "Die Dosen bitte in den Mistkübel schmeißen", sagt sie zu einer Gruppe Jugendlicher. Oder "Sie wissen eh, dass Sie die Abfälle hier nicht liegen lassen dürfen" zu einer Mutter mit zwei Kindern. Freundlich, aber bestimmt. "Die meisten hier schätzen unsere Arbeit und sind auch durchaus bereit, sich an die Spielregeln zu halten", erklärt sie. "Wir sind auch Ansprechpersonen für sie, wenn sie etwas nicht richtig finden." Dass ein Hund keinen Beißkorb hat zum Beispiel. "Das stört viele. Da können wir aber nichts machen. Das ist Aufgabe der Polizei."

Eine der häufigsten Ausreden: Ich habe nicht gewusst, dass das verboten ist. © PID/Christian Jobst

Ausreden gelten nicht

Sehr wohl eingreifen können WasteWatcher aber, wenn das Sackerl fürs Gackerl fehlt. "Ich habe ja nicht gewusst, dass das strafbar ist" oder "Ich hab das Sackerl in einer anderen Jacke" hilft dann auch nicht mehr. Wer ertappt wird, muss mit Konsequenzen rechnen. Selbst wenn man den Vierbeiner packt und davonläuft. "Alles schon vorgekommen", erzählt Daniela. "Auch dass jemand sagt, da haben Sie 20 Euro und wir vergessen das Ganze. Funktioniert so aber nicht. Weil laut Wiener Reinhaltegesetz das Verunreinigen von öffentlichen Plätzen ausdrücklich verboten und damit strafbar ist." Schmeißt also jemand Mist weg, ist das eine klare Verwaltungsübertretung.

Tauben füttern ist falsch verstandene Tierliebe. Das Futter lockt Ratten an. © PID/Christian Jobst

Zu mehr Sauberkeit motivieren

Die Kontrollorgane sollte man auf jeden Fall ernst nehmen. "Wir sind berechtigt, einen Ausweis zu verlangen, abzumahnen und zu strafen, bis hin zu einer Anzeige. Vorrangiges Ziel sind nicht maximale Strafen, sondern maximale Sauberkeit." Das funktioniert auch. Jährlich landen rund 36 Millionen gefüllte Hundekotsackerl in Mistkübeln und rund 100 Millionen Zigarettenstummel in Aschenrohren. "Das macht Wien um einiges sauberer", ist Daniela überzeugt.

Früher kippte der Taxifahrer die Zigaretten beim Fenster hinaus, heute sammelt er sie im Pappbecher. © PID/Christian Jobst

Zigaretten im Kaffeebecher

Dass Umdenken möglich ist, zeigen die Taxifahrer auf der Hellwagstraße hinter dem Allerheiligenpark. Die Herren winken, als sie Daniela sehen. "Die habe ich gut erzogen", sagt sie lachend und geht auf sie zu. "Es hat gedauert. Jetzt kommen wir aber bestens miteinander aus. Oder?" Die Fahrer stimmen zu. Zum Beweis holt einer von ihnen einen Kaffeebecher aus dem Auto, in dem er seine Zigarettenstummel sammelt. "Nichts mehr mit Aus-dem-Fenster-Werfen", versichert er. Daniela freut es. "In solchen Momenten weiß man, dass man das Richtige tut."

Verunreinigungen im öffentlichen Raum sind strafbar. Wer sich nicht an das Gesetz hält, muss zahlen. © PID/Christian Jobst

Nicht alle sind einsichtig

Das Falsche tut dann ein junger Mann. Er raucht bei offener Autotür und telefoniert. Dann kommt es, wie es kommen muss. Das Gespräch ist zu Ende. Er wirft die Zigarette auf die Straße, will die Autotür schließen und losfahren. Geht aber nicht, weil Daniela schon neben ihm steht. Eine kurze Sachverhaltsdarstellung reicht. Der Mann ist einsichtig. "Ich war mit dem Kopf ganz woanders", sagt er. Auch wenn ihn das 50 Euro kostet, zeigt er Verständnis. "Ihr macht ja auch nur eure Arbeit. Schon in Ordnung, dass man zur Verantwortung gezogen wird." So einfach ist es nicht immer. "Natürlich gibt es auch heftige Diskussionen. Wenn es sein muss, holen wir sogar die Polizei."

Seit April fallen auch Gewässer in den Kontrollbereich der WasteWatcher. © PID/Christian Jobst

Neue Aufgaben seit April

Daniela geht durch den Millennium Tower und weiter zum Donauufer. Seit April gehören auch Gewässer zu ihrem Einsatzbereich. Im Blick hat sie einen jungen Mann, der mit einem Sackerl Maisflips auf dem Treppelweg steht. "Sie dürfen hier keine Möwen füttern",  spricht sie ihn an. Der Mann ist Tourist und versteht sie nicht. Daniela erklärt ihm das Ganze noch einmal auf Englisch. Er zeigt sich überrascht, weil er den Tieren doch nur Gutes tun wollte. "Das hören wir oft", sagt Daniela, "auch bei den Taubenfütterungen im Park. Es ist aber falsch verstandene Tierliebe. Denn oft werden damit nur Ratten angelockt. Oder die Reste verschimmeln und schaden den Tieren."

Daniela und ihr Kollege Gerhard dokumentieren alle Vorkommnisse des Tages. © PID/Christian Jobst

Tagesbericht am Ende der Schicht

Mittlerweile ist die Hälfte der Schicht um. Die Route führt weiter durch das Grätzel rund um den Allerheiligenpark, Wehlistraße, Engerthstraße, Stromstraße und Leystraße zurück bis zur Donaueschingenstraße. Dort ist steht ihr Dienstauto geparkt. Gegen 20.30 Uhr geht es dann zurück in die 48er-Zentrale. "Zum Tagesberichtschreiben", sagt Daniela. Notizen in den Computer klopfen. Fotos und Organmandate einheften. Geld abliefern. Das ist zweckgewidmet. Es wird wieder für Sauberkeitsmaßnahmen verwendet. Um 21.30 Uhr ist dann Schluss. Zumindest für heute.