Das "VinziRast - mittendrin" in der Währinger Straße ist ein Treffpunkt für Studierende, Obdachlose und alle, die einfach gut essen wollen. © www.picturedesk.com

Gutes Essen mit gutem Gewissen

Der Trend zur sozialen Gastronomie in Wien ist unverkennbar. Vorrangig geht es darum, Menschen eine Beschäftigung zu bieten, die normalerweise nur schwer einen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden würden.

Immer mehr Lokale in Wien machen sich zur Aufgabe, sozial Schwachen eine Chance zu geben, im Berufsleben zu reüssieren. Etwa Langzeitarbeitslosen, Migrantinnen und Migranten oder Menschen mit Behinderung. Wer in Wien ein Lokal sucht, in dem es nett ist zu verweilen, wo man gut essen und trinken kann und obendrein ein soziales Projekt unterstützen möchte, findet nachstehend eine kleine Auswahl an Möglichkeiten.

Inigo

Das "Inigo" betreibt einen klassischen Gastronomiebetrieb, ein Café Salon und einen Supermarkt. Das Restaurant befindet sich in der Bäckerstraße im 1. Bezirk, das Café in Meidling in der Schönbrunner Straße. Außerdem bietet man auch einen Catering-Service an. Kulinarisch setzt man Schwerpunkte auf klassische Wiener Gerichte und fernöstliche Spezialitäten sowie auf hauseigene Mehlspeisen.

Wirklich besonders macht das Lokal aber die Tatsache, dass man hier einen sozialen Auftrag verfolgt. Langzeitarbeitslose bekommen hier die Chance, wieder in den Berufsalltag einzusteigen. Sie können wertvolle Berufserfahrung sammeln und ihr Selbstvertrauen aufbauen. Vom "Inigo"-Team gibt es fachliche und pädagogische Betreuung. Die Anstellung ist kurzfristig, nachfolgend gibt es allerdings Unterstützung beim Widereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Das Pappel

In der Wattgasse im 17. Bezirk befindet sich das "Pappel". Der Name ist Programm, stehen doch vor dem Lokal mehrere Pappeln, deren Blätter im Herbst quer durch die Gegend fliegen. Kulinarisch bekannt ist das Lokal für seine Fladenbrote sowie den Schweizer Kaffee, der schon einige Liebhaberinnen und Liebhaber gefunden hat. Der gemütliche Schanigarten hat sich auch als Publikumsmagnet erwiesen.

Betrieben wir das Beisel in Hernals von Menschen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen in Zusammenarbeit mit einem Betreuungsteam. Das soziokulturelle Projekt hat sich im Grätzel als Erfolgsgeschichte herauskristallisiert.

Michl's

Das "Michl's" bietet Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderung die Chance, wieder in den Arbeitsalltag einzusteigen. Doch nicht nur sozial, auch ökologisch setzt man Akzente. Das "Michl's" bietet eine umweltfreundliche Zustellung mit dem Fahrrad an und beteiligt sich am Wiener Klimasparbuch. Das alles freut auch den Schirmherren und Namenspatron, Bürgermeister Michael Häupl, besonders. Das "Michl's" ist ein Projekt der Wien Work - Integrative Betriebe und AusbildungsgmbH.

Video: 10 Jahre "Michl's"

Kulinarisch baut man auf mehrere Säulen. Bekannt ist man einerseits für die reichliche Frühstücksauswahl sowie die selbst gemachten Kuchenkreationen. Neben Spezialevents im Lokal, etwa einem Oktoberfest, gibt es auch den "Social Club". Dahinter verbirgt sich ein Veranstaltungsraum mit eigenem Zugang, der für alle möglichen Events gebucht werden kann. Zusätzlich zum Bestellservice kann man auch Catering beim "Michl's" buchen.

VinziRast

Die VinziRast ist bekannt dafür, obdachlosen Menschen einen Platz zu bieten, sei es in Notschlafstellen, Wohngemeinschaften oder bei begleitetem Wohnen. Auch Asylberechtigte werden mit Obdach unterstützt. Die VinziRast betreibt aber auch das Lokal "mittendrin" in der Währinger Straße. Der Reingewinn des Lokals kommt dem Verein Vinzenzgemeinschaft St. Stephan zugute. Dieser betreibt Einrichtungen für obdachlose und ehemals obdachlose Menschen.

Das "mittendrin" ist Teil von "VinziRast-mittendrin", einem Projekt, bei dem Studierende und Obdachlose miteinander in WGs wohnen, sich diverse Sozialräume teilen und auch nebeneinander arbeiten. Menschen, die allzu oft am Rande der Gesellschaft gefangen sind, werden so mitten in die Gesellschaft geholt. Das Lokal macht auch eine ehrenamtliche Mitarbeit möglich. Wer gerne vorbeischauen möchte, dem seien vor allem die leckeren Mittagsmenüs empfohlen.

Vollpension

Für viel Aufmerksamkeit sorgte die Eröffnung der "Vollpension" in der Schleifmühlgasse. Hinter dem Namen steckt ein einzigartiges Konzept. Hier arbeiten junge Menschen mit Pensionistinnen und Pensionisten, die noch zu jugendlich sind, um die Füße still zu halten. Darum wird man hier buchstäblich bekocht wie bei Oma, was sich in der Auswahl und im Geschmack der Speisen widerspiegelt. Das Lokal ist auch von der Einrichtung her "old school". Ohrensessel und jede Menge kitschige Details sorgen für ein gemütliches Ambiente. 

Was die Speisekarte betrifft, haben hier die Pensionistinnen und Pensionisten ihren eigenen Stil. Sie kochen und backen nach Herzenslust. Sehr beliebt ist der Brunch, den es jeden Samstag und Sonntag gibt. Hinter dem charmanten Lokal steckt aber auch ein ernstes Thema: Viele Pensionistinnen und Pensionisten leben in Österreich an der Armutsgrenze. Die meisten der "Vollpension"-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erhalten weniger als 1.000 Euro Pension im Monat. Darum will man ihnen mit diesem Lokal die Chance geben, auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein und mitten im Leben zu stehen.

magdas Hotel

Das Hotel in bester Lage nahe dem Prater ist ein in Wien einzigartiges Sozialprojekt. Hier arbeiten Menschen aus 14 Nationen gemeinsam daran, Menschen einen wunderbaren Wienbesuch zu ermöglichen. Vom Küchenchef bis zum Barpersonal haben sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des alltäglichen Hotelbetriebs einen Migrationshintergrund.

Menschen mit Fluchthintergrund haben es bei der Jobsuche nach wie vor schwer. Von Sprachkenntnissen über bürokratische Hürden bis hin zu Ressentiments mancher Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gibt es viele Stolpersteine. Im "magdas Hotel" ist man überzeugt, dass gerade diese Personen die perfekten Hotelangestellten sind. Schließlich bringen sie Fremdsprachen, kulturelle Kenntnisse und Weltoffenheit mit.