Die Lichter dieser Stadt sind das Einsatzgebiet von Horst Pribitzer und seinen KollegInnen vom Lichttechniklabor. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Das Labor für Wiens Strahlkraft

Wien hat den Durchblick. Eine der Einrichtungen, die für Erleuchtung sorgt, ist das Lichttechniklabor der MA 39. Die international renommierte Abteilung überprüft Leuchten, sorgt für Sicherheit auf Straßen und wirkt der Lichtverschmutzung entgegen.

Der Mensch hat fünf Sinne. Die Hauptrolle spielt aber der Sehsinn, der für rund 80 Prozent unserer Sinneswahrnehmungen sorgt. Umso wichtiger ist, dass die Beleuchtung rund um uns nicht für Irritation sorgt. Im Lichttechniklabor der MA 39 - Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien kümmert man sich unter anderem auch darum.

"Unsere Arbeit hier beruht im Wesentlichen auf vier Säulen", erklärt Horst Pribitzer, Leitender Referent des Lichttechniklabors. Eine davon ist die Überprüfung von Leuchten und Lampensystemen. Eine weitere sind Messungen von Beleuchtungsanlagen vor Ort im Stadtgebiet, bei denen man oft mit der MA 33 - Wien Leuchtet zusammenarbeitet. Abgerundet wird das Portfolio durch eine umfassende Sachverständigentätigkeit sowie Gutachten im Bereich Lichttechnik. Diese umfassen sowohl Lichtimmissionen als auch -emissionen und beschäftigen sich vornehmlich mit Fragen des Anrainerschutzes und der Verkehrssicherheit. Nicht zu vergessen die Auseinandersetzung mit Tageslicht, wiederum mit Schwerpunkt Anrainerschutz und Verkehrssicherheit.

Leuchten und Lampensysteme prüft man dann, wenn die Stadt Wien neue Produkte ankauft. Aktuell werden etwa 50.000 konventionelle Leuchten durch moderne LED-Leuchten ersetzt. Dementsprechend wichtig ist, dass die Qualität der Produkte stimmt. Das Lichttechniklabor überprüft unter anderem die Angaben der Hersteller und stellt damit sicher, dass die Stadt jene Qualität bekommt, die geordert wurde. Genutzt wird dabei das zentrale Messsystem des Lichttechniklabors, das Goniofotometer. Wie das funktioniert, sehen Sie in unserem Videobeitrag.

Ein Besuch im Lichttechniklabor

Sicherheit im Straßenverkehr

Neben dem Goniofotometer sind weitere Messgeräte im Einsatz. Allfällige Netzhaut- oder Hautschädigungen durch Lichtquellen werden mit dem Doppelmonochromator gemessen, und eine Ulbrichtkugel dient zur Messung des Lichtstroms in Form von Relativmessungen. Auch bei Einsätzen außerhalb des Labors können die Lichttechnikerinnen und Lichttechniker auf beste Ausstattung vertrauen. Besonders die Leuchtdichtekameras stechen hervor. Unter den Messgrößen, die das Lichttechniklabor beschäftigen, ist Leuchtdichte besonders wichtig, da sie im Gegensatz zu Lux, der Beleuchtungsstärke, und Lumen, dem Lichtstrom, für uns sichtbar ist. Sie beschreibt die Helligkeit von sichtbaren Flächen, und das ist im Stadtbild von hoher Relevanz.

Werbeschilder etwa dürfen bestimmte Leuchtdichtewerte nicht überschreiten. Andernfalls wären sie eine Irritation für Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie Anrainerinnen und Anrainer. Der Einsatz von LED hat hier einen starken Effekt. Mit LED-Technologie können Werbetreibende mit weniger Kosten hellere Anzeigen erzielen. Das Lichttechniklabor sorgt mit seinen Gutachten und Messungen dafür, dass die geltenden Bestimmungen eingehalten werden. So können die Wienerinnen und Wiener ruhig schlafen.

Lichtverschmutzung und Ressourcenschonung

Der MA 39 ist es ein Anliegen, Lichtnutzung bewusster zu machen. Unternehmen etwa sollen während der Nacht ihre Werbeflächen oder Parkplatzbeleuchtungen ausschalten. Damit sollen einerseits Ressourcen geschont werden, andererseits wirkt man der Lichtverschmutzung, der unnatürlichen Helligkeit des städtischen Nachthimmels, entgegen. Auch Privatpersonen können dazu beitragen. Etwa indem sie überlegen, welche Lichter sie wirklich brauchen und welche nicht. Durch den Einsatz moderner LED-Leuchten konnte die Stadt Wien sowohl die Lichtverschmutzung als auch den Stromverbrauch der öffentlichen Beleuchtung deutlich senken.

Kritisch ist die Prüfung von Straßenleuchten. "Wir kontrollieren nicht nur die Qualität der Leuchte, sondern die gesamte Situation. Je nach Art der Straße, sei es Autobahn oder Radweg, müssen bestimmte Werte erreicht werden. Die Leuchten sollen dabei den Verkehrsweg ausleuchten und nicht Licht in die Umgebung verschwenden", sagt Pribitzer. Zu beachten gibt es einiges. So werden neben den Beleuchtungsstärken auf Bodenhöhe auch andere lichttechnische Aspekte, wie zum Beispiel die für das subjektive Sicherheitsempfinden wichtige halbzylindrische Beleuchtungsstärke auf Kopfhöhe, erfasst.

Tageslicht ist ein Thema

Auch die Fluchtwegsbeleuchtung in den Gebäuden der Stadt ist Sache des Lichttechniklabors. Geprüft wird dabei laufend. In diesen Sicherheitsfragen überlässt man nichts dem Zufall und nimmt Beleuchtungen genau unter die Lupe. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Überprüfung von Stadionbeleuchtung auf Fernsehtauglichkeit und Einhaltung normativer Vorgaben. "Wir sind in dieser Angelegenheit Partner der Fußball-Bundesliga", sagt Pribitzer.

Ein Vorteil und in Österreich praktisch Alleinstellungsmerkmal des Lichttechniklabors ist die Kombination aus Leuchtenmessungen im Labor und Messungen der Beleuchtungssituation vor Ort, praktisch in der Anwendung der Leuchte.

Zwei bis drei Leuchten werden von den fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jeden Tag getestet. Der Vorgang wird bis ins kleinste Detail dokumentiert. Die Leuchten prüft man auf Herz und Nieren. An einer Wand im Labor hängen LED-Leuchtmittel, die teilweise seit 2015 durchlaufen. So testen die Lichttechnikerinnen und Lichttechniker, wie lange einzelne Stücke tatsächlich strahlen. "Einige haben schon den Geist aufgegeben, doch es gibt auch LED-Leuchtmittel, die immer noch funktionieren."

Auch in der Privatwirtschaft erfolgreich

Mit Tageslicht beschäftigt man sich hauptsächlich wegen Photovoltaikanlagen und den zahlreichen Spiegelflächen an Gebäuden. Von den Installationen auf den Dächern und den reflektierenden Fassaden wird die Sonne sehr stark reflektiert. Inwiefern sich dieser Bautrend auf das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger auswirkt, ist Gegenstand der Analysen im Lichttechniklabor.

Das Labor prüft nicht nur für die Stadt Wien. Kundinnen und Kunden aus aller Welt lassen ihre Produkte oder Ankäufe hier testen. Es hat sich herumgesprochen, dass auf die Wiener Lichttechnikerinnen und Lichttechniker immer Verlass ist.