Joana Adesuwa Reiterer ist Modemacherin und Aktivistin im Kampf gegen den Menschenhandel. Beide Anliegen vereint sie mit Joadre. © Bohmann/Ulrich Sperl

Mode gegen Menschenhandel

Joana Adesuwa Reiterer hatte genug. Immer nur Reden gegen den Menschenhandel zu schwingen, war ihr zu wenig. Stattdessen rief sie mit Joadre einen Produktionsbetrieb in Nigeria ins Leben. Unterstützt wurde sie dabei von der Wirtschaftsagentur Wien.

Menschenhandel zu bekämpfen. Der Grund ist schnell erklärt: Ein Job und ein Einkommen senken den Wunsch, nach Europa zu fliehen. Frauen können sich so eine Existenz in Nigeria aufbauen und müssen nicht riskieren, sich mit Menschenhändlern auseinanderzusetzen.

"Ich wollte mehr Resultat als nur zu reden und zu reden", sagt Reiterer, die seit 13 Jahren in Wien lebt. Seit 2006 engagiert sich die gebürtige Nigerianerin gegen den Menschenhandel. "Wir wollten Einkommen schaffen und nicht nur auf Spenden angewiesen sein." Also gründete sie einen Produktionsbetrieb in Nigeria. In Wien wird Organisation und Design gemacht, die Stücke entstehen in Afrika.

Wirtschaftsagentur von Anfang an involviert

Unterstützung kam von der Wirtschaftsagentur Wien. Reiterer und ihr Team hatten eine Idee. Bei Aufbau und Umsetzung war die Agentur eine große Hilfe. Neben kostenloser Beratung und einem Finanzierungscoaching gab es für Joadre, so der Name des Unternehmens, auch eine Förderung. "Wir profitierten auch vom Netzwerk der Agentur", sagt Reiterer. Basierend auf der Förderung schuf Joadre einen Webshop und Möglichkeiten, sich gegen Menschenhandel einzusetzen.

Eine wichtige Inspiration für die Taschenkollektion war die Mode afrikanischer Frauen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Neben der sozialen Mission bringt die Taschenkollektion aber auch den nötigen Stylefaktor mit. Inspiration erhält Frau Reiterer neben der eigenen Familie von den Frauen vor Ort. "Die Mode der Frauen in Afrika ist ein Einfluss. Ich liebe es, Stoffe zu mischen. Veganes Leder mit handgewobenen Stoffen zu kombinieren, ist da ein gutes Beispiel", sagt Reiterer.

Es geht immer noch mehr

Aufklären und unter die Arme greifen, das sieht Reiterer als Hauptaufgaben von Joadre. "Wir wollen die Menschen unterstützen, dass sie mit den Talenten, die sie haben, Teil der Weltwirtschaft werden und auch damit Geld verdienen können", sagt Reiterer. Momentan gibt es neben dem Standort in Nigeria Kooperationspartner in Togo und Südafrika. Mit Moldawien ist man in Kontakt. Ziel ist, so viele betroffene Regionen wie möglich zu erreichen. "Was wir jetzt erreichen, ist schön, aber das ist mir noch zu wenig."

Joana Adesuwa Reiterer liebt es Materialien zu mixen. Leder, hangewobene Stoffe und mehr findet man bei den Designs regelmäßig nebeneinander. © Bohmann/Ulrich Sperl

Um noch mehr zu leisten, unterläuft der Vertrieb bei Joadre gerade eine Revolution. Die App HubCouture wurde mit Unterstützung der Wirtschaftsagentur programmiert. Dort werden Kundinnen und Kunden in der Lage sein, Taschen zu designen und die Stücke direkt bei einer Frau an einem der Produktionsstandorte in Auftrag zu geben. Zwischenhändler, Wholesaler und weitere Profiteure der weltweiten Handelskette fallen komplett weg. Gewinnerinnen sind vor allem die Näherinnen. "Wir nehmen uns damit auch komplett aus dem Design raus", erläutert Reiterer. "Bei uns dreht sich jetzt alles um die App."

Die App ist seit Oktober fertig und sowohl bei iTunes als auch im Google Play Store verfügbar.

Weiterhin große Ziele

Der nächste Schritt ist, mit der App auch Menschen in Nigeria zu Kundschaft zu machen. Auch dort soll das Joadre-Design Farbe auf die Straßen bringen. In Österreich möchte Reiterer vor allem sensibilisieren. "Menschen sind es gewohnt, in ein Geschäft einer großen Modekette zu laufen und schnell was zu kaufen, da es wenig Zeit braucht und einfach ist. Wir wollen zeigen, dass es auch andere, nachhaltigere Vertriebswege gibt."

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