• Team der TU Wien mit Rennauto.
    Die Studierenden der Technischen Universität Wien fahren ihre Rennen künftig mit einem Auto, dass ohne Lenkerin oder Lenker auskommt. Gebaut haben sie es selbst. © Bohmann/Andrew Rinkhy
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Rennautos aus dem TU-Stall

In 3,1 Sekunden von null auf 100. Wiener Technik-Studierende haben einen selbstfahrenden Boliden für die Formula Student entwickelt.

Im Laufschritt schieben sechs fröhliche Menschen ein Rennauto über den Platz vor ihrer Werkstatt. Eine junge Frau sitzt am Steuer des orange-schwarzen Boliden. Unter den breiten Hoosier-Reifen knirschen Steinchen, und nur wer es weiß und ganz genau hinsieht, erkennt die schmale Kamera über dem Sitz und den kleinen Scanner direkt unter der Startnummer. Zwei Details, die von entscheidender Bedeutung sind. Denn das Rennauto wird nicht nur elektrisch betrieben (dafür steht das "E" in der Startnummer), es braucht auch keine Pilotinnen oder Piloten. Es fährt alleine. ­Orientiert sich an Kegeln. Muss Runden zählen können. "Und es muss verstehen, wo es sich gerade befindet – das geht über GPS", sagt Marcel Zeilinger. Ohne Kamera und Scanner würde es die geforderten zehn fehlerfreien Runden nie schaffen.

Start in der formula student

Der 23-jährige Informatikstudent ist Modulleiter im TU-Wien-Racing-Team, einer Mannschaft aus rund 50 Studierenden der Technischen Universität Wien. Das Team hat sich ganz dem Rennsport verschrieben. Die Formula Student, ein Konstruktionswettbewerb, gibt es schon seit vielen Jahren. Begonnen hat alles in den USA. Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Automobilindustrie haben den Bewerb nach Europa geholt. Weil sie erkannt haben, dass sich die rennsportbegeisterten Studentinnen und Studenten praktisch selbst ausbilden. Heute sind weltweit mehr als 500 Teams aktiv. Gestartet wird in drei Kategorien: Es gibt Autos mit Verbrennungsmotoren, Elektro-Boliden und es gibt die Kategorie "Driverless", also ohne Fahrerinnen und Fahrer.

Erstmals ohne Fahrerinnen und Fahrer

Daran beteiligt sich das Racing-Team der TU Wien heuer zum ersten Mal. Mit einer Weiterentwicklung des "Edge 8" aus der Saison 2016. "Es ist eine Riesenheraus­forderung, ein Auto völlig neu zu bauen", sagt Marcel Zeilinger. "In unserem Fall konnten wir aber auf das Auto des Vorjahres zurückgreifen – notwendig war nur eine elektrische Aufrüstung." An vier Bewerben will das Team in diesem Jahr teilnehmen, aus Kostengründen ausschließlich in Mitteleuropa. "Unsere Chancen stehen sehr gut", sagt Team­kapitän Florian Hofer, 29. Das ist keineswegs Zweckoptimismus. In der vergan­genen Saison landete seine Mannschaft auf Platz 17, bei mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In der Kategorie "Driverless" sieht es noch besser aus. Vor allem deshalb, weil "wir beschlossen haben, alles selbst zu machen", sagt Hofer.

2,5 Millionen für ein Auto

Das machte die Abstimmungsarbeit bisher zwar aufwendiger und komplexer, "dieses Know-how hilft uns jetzt aber sehr", sagt Hofer. Mit 160,5 Kilogramm ist der neue Bolide der leichteste in seiner Klasse. Ein Vorteil, weil sich der Wagen damit auch leichter steuern lässt. Er beschleunigt in 3,1 Sekunden auf Tempo 100, schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h und eine Leistung von 80 kW. Die Kosten für das Auto sind beträchtlich. "Rund 500.000 Euro", sagt Hofer, "rechnet man Forschung und Entwicklung dazu, kommt man auf ungefähr 2,5 Millionen Euro." Kosten, die nur mit Partnerinnen und Partnern und Sponsorinnen und Sponsoren getragen werden können.

Unterschiedliche Aufgaben

Organisiert ist das Team wie ein Verein, gearbeitet wird aber wie in einer Firma, mit unterschiedlichen Abteilungen und verschiedenen Aufgaben. Geld gibt es für die Studierenden keines. Der Lohn ihrer Mühen? Zeilinger und Hofer sind sich einig: "Wir können wissenschaftliche Ergebnisse in der Praxis erproben und die beruflichen Zukunftsperspektiven dank der ­engen Kontakte mit der Industrie verbessern. Der alles entscheidende Faktor ist aber ein anderer. Es macht einfach Spaß." Auch wenn die Tage in der Werkstatt auf den Wiener Aspanggründen um neun beginnen und oft erst um fünf in der Früh enden. "Es macht sogar Spaß, fürs perfekte Team-Bild ein Auto zu schieben, ein Auto, das eigentlich ganz alleine fahren kann", so die beiden unisono.

Infos zum Auto auf einen Blick

Beschleunigung: in 3,1 Sekunden auf 100 km/h
Leistung: 80 kW
Länge: 2.800 mm
Breite: 1.400 mm
Höhe: 1.150 mm
Spurbreite vorne: 1.200 mm
Spurbreite hinten: 1.160 mm
Gewicht: 160,5 kg
Radstand: 1.575 mm
Nennspannung Akku: 330 V

Das nächste Rennen in Österreich findet von 31. Juli bis 3. August 2017 in Spielberg statt.