40 von insgesamt 45 MitarbeiterInnen arbeiten im Büro in Wien Neubau. © mySugr

Hippes Start-up im Wiener Altbau

Die mySugr App hat weltweit knapp eine Million registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Eine Zweigstelle in Kalifornien ist im Aufbau. Wien ist dennoch der Standort der Wahl des Diabetes-Service-Unternehmens.

In einem typischen Altbau in Wien Neubau liegt ein Hauch von Silicon Valley in der Luft. In der Schottenfeldgasse 69 hat das Start-up mySugr seinen Hauptsitz. Neben der einladenden Küchenecke, dem großen Esstisch und dem Wuzzler finden sich zahlreiche Bilder des mySugr Monsters, dem Firmenlogo des Unternehmens. "Mit unseren Produkten und Services wollen wir die Diabetes-Therapie in etwas Positives verwandeln und das Leben mit Diabetes einfacher und entspannter machen", erklärt Anton Kittelberger, Vorstand des operativen Geschäfts von mySugr.

Das Diabetesmonster

Bunt, flott, einfach: Die mySugr App ist ein Medizinprodukt und zeichnet sich durch eine intelligente Verbindung von Design und Technologie aus. © mySugr

Kittelberger lebt bereits seit seiner Kindheit mit Typ-1 Diabetes. Und er ist nicht der Einzige. 14 der insgesamt 45 mySugr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben mit Diabetes und wissen aus eigener Erfahrung, wie mühsam die Erkrankung sein kann. Persönliche Erfahrungen und Expertise fließen daher stark in die Produktentwicklung ein. "Diabetes ist ein Fulltime-Job. Der Alltag basiert darauf, verschiedene Diabetes-Daten wie Blutzuckerwerte, Kohlenhydratmengen und Insulineinheiten zu berechnen, zu interpretieren und darauf basierend mehrmals täglich Therapie-Entscheidungen zu treffen. Das ist anstrengend", so Kittelberger. mySugr möchte dabei helfen, den Alltag mit der Erkrankung entspannter und einfacher zu gestalten. "Make Diabetes suck less", so der Slogan des Unternehmens, was so viel bedeutet wie "Diabetes weniger nervig machen".

Sympathisch und smart

Durch die einfache Bedienung, das ansprechende Design und das sympathische Monster versucht mySugr, dem Thema Diabetes entkrampft zu begegnen. "Wir haben eine App entwickelt, in die man gerne täglich hineinschaut", so Kittelberger. Besonders stolz ist Kittelberger auf die 15.000 positiven Rückmeldungen, die Nutzerinnen und Nutzer in der App und im Play Store online hinterlassen haben. Dass mySugr etwas bewegt, zeigt eine etwas ungewöhnliche Art von Fan-Liebe. Zwei App-Nutzer haben sich das mySugr Monster sogar als Tattoo auf ihren Arm stechen lassen. 

Smarte Medizin

Die mySugr App ist in den USA und Europa als Medizinprodukt der Klasse 1 klassifiziert und das Unternehmen selbst ISO13485 zertifiziert. Die Basis-Version der mySugr App ist kostenlos. Für 2,99 € gibt es mySugr Pro, ein umfangreiches Diabetes-Tagebuch mit einer Menge Zusatzfunktionen, die den Alltag mit Diabetes noch einfacher machen. Wie zum Beispiel einem praktischen Bolusrechner, einer Hilfe bei der Berechnung der richtigen Insulinmenge. Die App hilft, einen Überblick über die gesamten Therapie-Daten zu haben, diese zu analysieren und dementsprechend Änderungen vorzunehmen.

mySugr Nutzerinnen und Nutzer, die bei einer kooperierenden Versicherung versichert sind, erhalten zudem eine automatische Versorgung mit Blutzuckerteststreifen und eine persönliche Rundumbetreuung durch erfahrene Diabetesberaterinnen und -berater. Dadurch will mySugr das Risiko für notwendige Hospitalisierungen mindern und damit Kosten sparen. "Wir sehen unsere App auch ein wenig als kleinen Schutzengel, der Therapie-Schwächen erkennen lässt und Ausreißer vermeidet", so Kittelberger.

Aus Wien in die Welt

Die Wiener App ist in vierzehn Sprachen und 52 Ländern verfügbar. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer hat mySugr in Europa und den USA. Seit etwa einem Jahr baut mySugr eine Zweigstelle im sonnigen San Diego auf, nur eine Flugstunde entfernt vom Silicon Valley mit Tech-Konzernen wie Facebook und Google. Umzugspläne schmiedet das Kernteam laut Kittelberger keine: "Die Zentrale bleibt auf jeden Fall in Wien. San Diego ist eine tolle Stadt und die Vernetzung mit dem US-Markt ist wichtig. Aber Wien ist als Standort derzeit für uns unschlagbar." 

Start-up-Standort

Anton Kittelberger sieht Wien als optimalen Start-up-Standort. © mySugr

mySugr wurde 2012 in Wien gegründet. Kittelberger schätzt die Lage der Bundeshauptstadt im Herzen Europas, die vielen talentierten jungen Menschen und die moderaten Lebenshaltungskosten und Mieten: "In Wien tut sich wahnsinnig viel. Es sprießen sehr viele Möglichkeiten aus dem Wiener Boden." Er empfiehlt Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern, vor allem zu Beginn die zahlreichen Co-Working und Shared Facilities zu nutzen. "Wir haben im Sektor5 in Margareten angefangen. Dort bieten sich tolle Möglichkeiten, sich zu vernetzen, man hat aber auch genügend Raum, um an seinen eigenen Dingen zu arbeiten", so Kittelberger.

Wirksame Finanzspritze

Auch im Bereich der Finanzierung bietet Wien zahlreiche Möglichkeiten. mySugr wurde durch die Wirtschaftsagentur Wien, die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft gefördert. Kittelberger erinnert sich: "Diese Förderprogramme sind mit dafür verantwortlich, dass wir es so weit geschafft haben. Dafür sind wir unglaublich dankbar!"