Florian Aigner bringt Wissenschaft und Unterhaltung in den Alltag. ©Florian Aigner

Von Wissenschaft und Blödsinn

Handauflegen, Handystrahlen-Harmonisator und Heilungen aus heiterem Himmel, gegen solchen und ähnlichen Hokuspokus geht Florian Aigner mit Witz und der Kraft der Wissenschaft vor. Dafür erhielt der Physiker den Förderungspreis der Stadt Wien.

Florian Aigner promovierte an der Technischen Universität Wien im Bereich Theoretische Quantenphysik. Seit vier Jahren ist er Wissenschaftsredakteur der TU Wien, daneben publiziert er Texte und hält Vorträge. Für seine Bemühungen, Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, erhielt Florian Aigner den Förderungspreis für Volksbildung.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Sie freut mich ganz außerordentlich. Dass die Stadt Wien überhaupt Preise für Volksbildung vergibt, zeigt, dass dieser Bereich der Stadt wichtig ist. Das alleine gibt schon Auftrieb. Bildung darf kein reines Elitenprogramm sein. Sie muss der gesamten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Das wird in Wien schon seit vielen Jahren ernst genommen. Es ist schön, dass das heute noch immer so ist. Wenn ich in diesem Bereich auch persönlich einen kleinen Beitrag leisten kann, dann ist das ganz wunderbar.

Sie setzen sich dafür ein, die Wissenschaft vom Aberglauben zu trennen. Welcher Aberglaube stört Sie persönlich am meisten?

Im Esoterik- und Parawissenschaftsbereich gibt es viel Geschäftemacherei. Sie können heute alle möglichen Geräte kaufen, vom Wasser-Informations-Gerät bis zum Handystrahlen-Harmonisator, die physikalisch betrachtet überhaupt keinen Nutzen bringen. Leute, die sich mit Naturwissenschaft nicht besonders ausführlich beschäftigen, glauben den Versprechungen der Hersteller oft und lassen sich Geld aus der Tasche ziehen. Besonders tragisch wird das dann im Gesundheitsbereich, wenn Leute auf die rettende Behandlung verzichten und stattdessen viel Geld für wirkungslose Wundertherapien ausgeben.

Sie sind Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Wie kann man Parawissenschaften wissenschaftlich untersuchen?

Wenn jemand behauptet, außergewöhnliche oder gar übernatürliche Fähigkeiten zu haben, dann muss er das erst mal zeigen können. Manche Leute behaupten beispielsweise, mit Pendeln oder Wünschelruten Metall oder elektronische Geräte aufspüren zu können.

Wie kann das nachgeprüft werden?

Man stellt eine Reihe von Kisten auf, in einer davon versteckt man das gesuchte Objekt und lässt die Testperson auspendeln, in welcher davon es sich befindet. Dieses Experiment wiederholt man möglichst oft und zählt genau mit, wie oft das richtige Ergebnis ermittelt wurde. Bisher hat sich dann jedes Mal herausgestellt, dass die Trefferquote beim Auspendeln ungefähr genauso hoch wie bei rein zufälligem Raten ist. Es nützt also überhaupt nichts.

Welche gängige Wunderversprechung ärgert Sie persönlich?

Ich finde es ärgerlich, wenn Leuten Angst gemacht wird. Es gibt auf der Welt schon genug gefährliche Dinge, da muss man nicht noch welche dazuerfinden. Wenn jemandem eingeredet wird, er muss aus seiner Wohnung ausziehen, weil sie voll von bösen Erdstrahlen ist, oder weil daneben eine Stromleitung gebaut wird, dann ist das unmoralisch. Es gibt für solche Behauptungen nicht die geringste wissenschaftliche Basis.

Sie versuchen, mithilfe der Wissenschaft solche Behauptungen zu widerlegen. Aber interessieren sich die Wienerinnen und Wiener für Wissenschaft?

Alle Leute interessieren sich für Wissenschaft. Manche wissen das nur noch nicht. Die Wissenschaft umfasst so viele spannende Themen, da ist für alle etwas dabei. Man muss nur Geschichten über Wissenschaft so erzählen, dass sie spannend sind und dass sie jeder versteht. In diesem Bereich gibt es sicher noch viel zu tun.

Ist Wien eine Stadt der Wissenschaft?

Wien ist auf jeden Fall eine Stadt der Wissenschaft. Es ist für mich eine große Freude, jeden Tag mit Wiener Forscherinnen und Forschern reden zu dürfen und mitzuerleben, welche großartigen Ideen hier ständig entwickelt werden. Wir müssen in Wien nur darauf achten, die besten Köpfe in der Stadt zu halten. Die Forschungslandschaft wird mehr Geld brauchen, sonst werden immer mehr kluge Leute ins Ausland abwandern müssen, selbst wenn sie eigentlich gerne in dieser großartigen Stadt bleiben würden.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Das ist schwer zu sagen. Ich halte gerne Vorträge, ich schreibe eine Wissenschaftskolumne auf futurezone.at und wer weiß, was noch alles dazukommt. Ideen gibt es viele, oft fehlt einfach nur die Zeit.

Wien fördert Jungtalente

Die Stadt Wien stiftet jährlich bis zu 13 Förderungspreise. Sie werden als Würdigung für eine bisher hervorragende Gesamttätigkeit vergeben. Neben Leistungen in der Sparte Bildende Kunst werden auch hervorragende Tätigkeiten in den Sparten Musik, Literatur, Architektur sowie Wissenschaft und Volksbildung ausgezeichnet. Die Preise sind mit je 4.000 Euro dotiert.

Bewerben Sie sich

Neben Einzelpersonen können sich auch Teams für den Förderungspreis der Stadt Wien bewerben. Eine Voraussetzung ist, dass der Arbeits- oder Wohnbereich der Bewerberinnen und Bewerber seit mindestens drei Jahren in Wien ist. Außerdem dürfen sie zum Zeitpunkt der Einreichung das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Bewerbungen sind mit dem Bewerbungsformular, einem Lebenslauf und Unterlagen, die die bisherige Tätigkeit darstellen, an das jeweils zuständige Referat zu richten. Sie sind ab dem Ausschreibungszeitpunkt im Dezember bis zum 31. März des Folgejahres möglich.