Robert Haselböck ist Druckvorstufentechniker und die Druckerei im Rathaus ist sein Revier. An seiner Arbeit schätzt der Layout-Profi die Vielseitigkeit. © PID/Alexandra Kromus

Ein Tag in der Druckerei der Stadt Wien: "Wir machen aus Wünschen Wirklichkeit"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. inwien.at begleitet Druckvorstufentechniker Robert Haselböck einen Tag lang bei seiner Arbeit. In der Druckerei der Stadt Wien werden Broschüren, Kuverts und Plakate der Stadt produziert.

"Typografie ist Umweltschutz der Augen." Dieser Satz von Grafikdesign-Legende Kurt Weidemann steht nicht nur auf Robert Haselböcks Tür. Das Motto geleitet ihn täglich durch seine Arbeit als Druckvorstufentechniker in der Druckerei der Stadt Wien. "Unser Job ist, dafür zu sorgen, dass die diversen Druckprodukte der Stadt gut ausschauen für unsere Wienerinnen und Wiener", sagt Robert. Dazu zählen Visitenkarten, Briefpapier, Kuverts, Folder, Flyer, Pläne, Plakate und diverse Broschüren.

Produktionsleiter Karl Mattes übergibt Robert den neuen Auftrag. Es handelt sich um eine Einladung zu einer Ausstellung. © PID/Alexandra Kromus

Die Typografie und das Handwerk des Druckens beschäftigen Robert ganz besonders. Er gestaltet, mit einem Layout-Programm auf seinem Computer, ein Design, das in weiterer Folge im Rathaus gedruckt wird. In der Druckerei der Stadt Wien werden jährlich rund 3.000 Aufträge bearbeitet. Aktuell gibt es 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie fünf Lehrlinge. Auftraggeber sind Magistratsabteilungen, Bezirksämter wie auch die Krankenhäuser Wiens. "Das ist für uns eine große Verantwortung", sagt Robert. "Unsere Arbeit repräsentiert die Stadt und da muss natürlich alles passen. Farben, Logos, Schriftzüge: All das muss aus einem Guss sein, da wir die Standards der Stadtkommunikation umsetzen."

Ein neuer Auftrag kommt rein

Kaum ist Robert im Büro angekommen, klingelt auch schon das Telefon. Es ist Karl Mattes, sein Produktionsleiter. Ein neuer Druckauftrag ist reingekommen. Ein Flyer der MA 21, zu der auch die Druckerei selbst gehört, muss umgesetzt werden. "Das ist ein abteilungsinterner Auftrag, das spielt aber keine Rolle. Die Kolleginnen und Kollegen sind Kundinnen und Kunden wie alle anderen auch."

Der Produktionsleiter übergibt Robert die Auftragstasche, auf der alle für die Produktion relevanten Infos zu finden sind. "Hier steht, wer der Auftraggeber ist, wie viel Stück zu produzieren sind und wann es fertig sein muss." In dem Fall handelt es sich um eine Einladung zu einer Ausstellung am Nordbahnhof mit dem Thema Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung. Insgesamt müssen 34.000 Stück gedruckt werden. Gedruckt wird klimaneutral. Für das entstehende CO2 wird ein Kompensationsbeitrag geleistet und damit werden Wiener Klimaschutzprojekte unterstützt.

Mit einem speziellen Programm stellt Robert die Einladung zusammen. Ist sein Entwurf fertig, schickt er ihn zur Abstimmung. © PID/Alexandra Kromus

Für Robert geht es jetzt an die Arbeit. In seinem E-Mail-Programm findet er schon eine Nachricht der Auftraggeberin. Darin steht ganz genau, wie die Einladung aussehen soll. Das Format ist 9,9 mal 21 Zentimeter, es wird vierfärbig gedruckt und außerdem abfallend. Das heißt, dass das Endprodukt bis zum Rand bedruckt ist. Beigefügt findet er einen Text und Bildmaterial, die er im Layout-Programm zu einem Entwurf verschmelzen will. Wie der Hintergrund der Einladung aussehen soll, weiß er aus Erfahrung, solche Projekte macht er des Öfteren.

KundIn ist immer König

Steht der Hintergrund, arrangiert er Text und Bilder, passt die Farben an, justiert die Schriftart und -größe und sorgt dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger eine gut aussehende Einladung erhalten. "Die Inhalte der Produkte geben uns die Kundinnen und Kunden vor, doch die Summe ist mehr als die einzelnen Teile. Ich muss prüfen, ob die Fotos die entsprechende Qualität haben und ob die Vorstellungen überhaupt umgesetzt werden können."

Die Einladung schickt er nach dem Layouten an die Auftraggeberin. "Die Einholung der Druckfreigabe ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. In den Druck gehen wir natürlich nur, wenn völlige Zufriedenheit herrscht. Manchmal mailen wir mit den Kundinnen und Kunden nur zwei bis drei Mal hin und her, gelegentlich braucht so etwas aber auch länger." Heute geht es ganz schnell. Ein paar kleine Korrekturen muss Robert durchführen. Die Schriftgröße wird leicht angepasst und ein Bild muss geändert werden. Dann gibt es das Okay der Kundin und das Produkt übersiedelt von der Druckvorstufe zum eigentlichen Druck.

Robert und sein Kollege Roman Irza sind sich einig: Die Farben stimmen, das Logo passt. Der Druck der Einladung hat reibungslos geklappt. © PID/Alexandra Kromus

Die Einladung wird gedruckt

"Wir haben hier drei Druckverfahren", sagt Robert. "Offsetdruck, Digitaldruck und die Large-Format-Produktion. Jedes Verfahren hat einen speziellen Einsatzbereich. Large-Format nutzen wir für Plakate, Pläne, Roll-ups, Banner und alles, das über A3 hinausgeht. Den Digitaldruck verwenden wir für kleinere Auflagen und für variable Daten. Der Offsetdruck kommt in erster Linie für Drucke mit einer hohen Auflage und Kuverts zum Einsatz."

Auf diesem Wagen werden die Einladungen in die Endfertigung gebracht. © PID/Alexandra Kromus

Die Einladung wird digital gedruckt. Es wird mit Mehrfachnutzen gedruckt. Darunter versteht man, dass das Papierformat bestmöglich ausgenutzt wird und man, in diesem Fall, sechs Einladungen pro Blatt druckt. "Papier zu sparen, ist uns definitiv ein Anliegen", sagt Robert. Das verwendete Papier ist Lagerware. Zur Auswahl stehen Papiere mit unterschiedlichen Oberflächen, Farben und Grammaturen.

Nachdem der Druck gestartet ist, macht sich Robert mit einem Probedruck auf den Weg zum Produktionsleiter zur Kontrolle. "Man kennt das vom Drucker zu Hause: Manchmal kommen Farben, Schriften oder Logos einfach nicht so raus, wie man das möchte. Damit das bei uns nicht passiert, verwenden wir eine spezielle Software und ein Color-Management. Da wird genau das gedruckt, was in der Datei vorhanden ist. Es gibt keine Komplikationen und die Einladung wird korrekt gedruckt."

Die Einladung ist fertig und wird von Robert in seinem Archiv abgelegt. © PID/Alexandra Kromus

Die letzte Etappe ist dann die Endfertigung. Hier wird geschnitten, geheftet, gefalzt und verpackt. Kaum ist Kollege David Höbarth mit dem Schneiden fertig, holt sich Robert schon sein Belegexemplar. Der Perfektionist will wissen, ob alles passt.

Ein intensiver Tag geht zu Ende und Robert sperrt die Druckerei zu. Er und seine Kolleginnen und Kollegen bearbeiten rund zwölf Aufträge pro Tag. © PID/Alexandra Kromus

Zur Erholung in die Natur

Und in der Tat: Alles ist, wo es hin muss, und sieht so aus wie bestellt. "Ich bin seit der Lehre Druckvorstufentechniker und seit neun Jahren hier im Rathaus. Aber trotzdem ist jedes Projekt eigen. Kein Auftrag gleicht dem nächsten. Das liebe ich bei meiner Arbeit, diese Vielfalt", sagt Robert. Besonders wichtig ist die Genauigkeit. "Die Umsetzung der Kundinnen- und Kundenwünsche ist das A und O. Auch das einheitliche Design der Stadt Wien ist für uns entscheidend. Jede Abweichung zieht Probleme nach sich, das könnte theoretisch bis zum Neudruck reichen."

Seit 7.30 Uhr ist Robert im Büro und er ist der Letzte, der heute nach Hause geht. Wenn der Schlüssel umgedreht ist, widmet er sich mit Vorliebe der Natur. "In der Freizeit versuche ich viel an der frischen Luft zu sein. Wandern, Radfahren, Fußball oder Skifahren sind mein Ausgleich." Morgen geht die Arbeit weiter und die Druckerei trägt wieder ihren Teil zum Schutz aller Wiener Augen bei.