Resul zeigt seine Collage zum Thema "Konsum". © Bohmann/Bubu Dujmic

Aktiv in die Zukunft

Kein Schulabschluss, kein Job und auch keine Idee, wie es weitergehen soll? Bei spacelab finden WienerInnen im Alter von 15 bis 24 Jahren Unterstützung bei der Bildungs- und Berufsplanung.

Resul zeigt stolz auf sein Werk. "Kaufen, kaufen, kaufen", steht unter der Collage aus Zeitungsausschnitten. Auf ihr sind Menschen in Einkaufsstraßen, Geschäfte, Werbeplakate, Konsumgüter und mehr zu sehen. Die Collage ist Teil einer Ausstellung zum Thema "Konsum", die Jugendliche der Produktionsschule spacelab am Standort "spacelab_gestaltung" im 20. Bezirk gestaltet haben und nun im dortigen Aufenthaltsraum zu sehen ist.

Resul ist einer von rund 76 Jugendlichen, die hier jeden Tag ein Training absolvieren. Nach dem Abschluss der Neuen Mittelschule fand der 16-Jährige keine Lehrstelle. "Ich will unbedingt Mechaniker werden", meint er, "oder notfalls auch Installateur, aber ich habe lauter Absagen bekommen." Das AMS schickte ihn schließlich zu spacelab. "In der Kulturwerkstatt gefällt es mir gut. Es ist viel los", sagt Resul. "Wir spielen Theater, gestalten Radiosendungen oder schreiben Beiträge für unseren Blog. Wir waren im Museum und im Theater." Susanne Senekowitsch von spacelab erklärt: "Die meisten Jugendlichen kommen über Empfehlung von Freundinnen und Freunden, über die spacelab-JugendarbeiterInnen oder werden über das Arbeitsmarktservice vermittelt."

Vier Standorte in Wien

In der Wissenswerkstatt werden den Jugendlichen in Kleingruppen Basisbildung und Kulturtechniken vermittelt. Heute geht es um das Thema Wahlen. © Bohmann/Bubu Dujmic

spacelab betreibt vier Standorte mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Jeden Dienstag gibt es an jedem Standort einen Infotag, an dem interessierte Jugendliche vorbeischauen und das Angebot kennenlernen können. Sie erhalten allgemeine Infos und lernen die Coaches kennen, die sie während ihrer Zeit bei spacelab kontinuierlich betreuen. An jedem Standort gibt es ein multiprofessionelles Coaching-Team bestehend aus einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter, einer Pädagogin oder einem Pädagogen und einer Klinischen- und Gesundheitspsychologin beziehungsweise einem Klinischen- und Gesundheitspsychologen.

Video: Weiterkommen im spacelab

Ein Coach begleitet

Raphaela Taborsky, Coach am Standort Sachsenplatz, erzählt: "Die Jugendlichen können sich einen Coach aussuchen. Dieser klärt in einem Erstgespräch, was sie oder er bisher gemacht hat und welches Angebot passen könnte." Als nächster Schritt folgt der Einstieg ins Tagestraining. Die Jugendlichen können zum Beispiel am Sachsenplatz tageweise im Bereich Kreatives Handwerk mitarbeiten. Das Angebot läuft Montag bis Freitag von 9 bis circa 15 Uhr. Wer pünktlich ist und über einen längeren Zeitraum immer wieder regelmäßig teilnimmt, kann ins Training in einer der verschiedenen Werkstätten einsteigen. Das Programm dauert sechs Monate und kann bis zu einem Jahr verlängert werden. Sollte jemand abbrechen, kann sie oder er zu einem späteren Zeitpunkt wieder einsteigen. Taborsky: "Da unsere Jugendlichen als Vorstufe das Tagestraining absolvieren müssen und spacelab besser kennen lernen können, bevor sie sich für das verbindlichere Training entscheiden, ist die Abbruchquote gering."

Die Gründe, warum die Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine abgeschlossene Berufs- oder Schulausbildung haben oder keine Lehrstelle finden, sind vielfältig. Taborsky: "Hier kommen alle unterschiedlichen (psycho-)sozialen Hemmnisse zusammen, die es so gibt. Die Jugendlichen bringen oft mehrfache Problemlagen mit. Sie haben familiäre Schwierigkeiten, Schulden, keinen Platz zum Wohnen. Durch die gefühlte Ausweglosigkeit gibt es Motivationsmängel. Sie sind anfänglich oft nicht in der Lage, regelmäßig und pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Oft ist es so, dass zuerst die (psycho-)sozialen Probleme gelöst werden müssen, bevor es darum geht, einen Ausbildungsplatz zu finden."

Parallel zum praktischen Training in der Werkstatt besuchen die Jugendlichen die Wissenswerkstatt, wo in Kleingruppen Basisbildung und Kulturtechniken vermittelt werden. Dazu gibt es Bewerbungstraining, Unterstützung beim Lernen und Diskussionen zu Themen wie Liebe und Politik.

Auf eine Chance hoffen

Michael arbeitet in der Holzwerkstatt gerne an der Säge. © Bohmann/Bubu Dujmic

Auch Michael ist seit fünf Monaten im Training. Nach der Schule startete er eine Lehre als Gärtner, die er nach eineinhalb Jahren abbrach. Über Umwege landete er schließlich bei spacelab. "Eine sehr gute Wahl", befindet Michael. "Ich bin in der Kulturwerkstatt, wir haben beispielsweise ein Konzert einer afrikanischen Band besucht und eine Rezension für Radio Orange gemacht." Er verrät, dass sein eigentlicher Berufswunsch Musiker sei und er ein Instrument lernen möchte. Eine Alternative ist Friseur, was wohl realistisch wäre, wie er selbst meint.

Gemeinsam mit Resul hat er in einem Sozialmarkt des Hilfswerks eine Berufserprobung im Bereich Einzelhandelskaufmann absolviert. "Das hat mir sehr gut gefallen, wir haben zum Beispiel die Waren etikettiert und die Kundinnen und Kunden beraten." Eine anderes Praktikum führte den 17-Jährigen in einen Kindergarten. Hier hat er Pädagoginnen bei der Nachmittagsbetreuung unterstützt. Sein nächstes Ziel ist, einen Platz bei einem Friseur zu finden. spacelab unterstützt die Jugendlichen bei der Suche nach Plätzen zur Berufserprobung. Diese reichen von ein Mal pro Woche einen Monat lang bis zu zweiwöchigen Einsätzen mehrmonatiger Einstellungspraktika.

Wichtig ist: Tu etwas

Von der To do-List können sich die Jugendlichen eine Tätigkeit aussuchen. © Bohmann/Bubu Dujmic

In der Zwischenzeit sind die beiden Burschen in der Holzwerkstätte tätig. Resul montiert Leinwände auf Holzrahmen. Diese sollen später bemalt werden. Michael hingegen werkt an der Säge. In der Werkstätte bauen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch Möbelstücke, die in der Produktionsschule benötigt werden. So wurden bereits Regale und eine Garderobe angefertigt. Trainerin Ali Wriesnig-Zabransky erklärt: "Uns ist wichtig, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv sind. Wie ist egal. Wir haben an der Wand eine Ideenliste mit möglichen Tätigkeiten wie zum Beispiel ein Spiel bauen, Bücher binden oder Beete im Hof anlegen. Sie können sich etwas aussuchen oder sie tun etwas anderes. Unser Motto ist: Tu das. Oder tu etwas anderes. Wichtig ist, tu etwas." Im "spacelab_gestaltung" liegt der Schwerpunkt auf handwerklich kreativen Tätigkeiten. Diese sind sehr vielfältig.

Einen wichtigen Stellenwert hat auch der Sport. Wriesnig-Zabransky: "Sport ist ein wichtiger Ausgleich für die Jugendlichen und dient auch der Aktivierung. Sie stärken ihren Körper, verbessern ihre Kondition und Koordination, was für manche Berufe wichtig ist. Wir gehen oft raus in den Käfig Ball spielen. Wir haben aber auch einen großen Sportsaal. Ein Mal pro Woche kommt ein Capoeira-Trainer. Weiters gibt es Ausflüge, Wanderungen und mehr."

In Hinblick auf die Zukunftsperspektiven ihrer Schützlinge meint Coach Raphaela Taborsky: "Unsere Jugendlichen haben gute Chancen, dass sie beruflich durchstarten können. Wir haben an ihren individuellen Zielen gearbeitet. Das Erfolgsrezept von spacelab besteht darin, dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen einen wertschätzenden Umgang pflegen. Eine gute Beziehung zu den Jugendlichen herzustellen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit."

spacelab ist ein Projekt der Wiener Ausbildungsgarantie und des Netzwerkes berufliche Assistenz (NEBA), das vom Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) und dem Sozialministeriumservice gefördert wird.

Kontakt:
E-Mail: info@spacelab.cc
Telefon: 0699 14 01 21 79, Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr
Kostenloser Infotag an allen Standorten: jeden Dienstag um 13 Uhr

spacelab_umwelt
21., Dr.-Albert-Geßmann-Gasse 38
, Tel. 0699 14 01 21 72

spacelab_gestaltung
20., Sachsenplatz 4-6, 
Tel. 0699 14 01 21 73

spacelab_kreativ
10., Knöllgasse 2
, Tel. 0699 14 01 21 71

spacelab_girls
15., Hütteldorfer Straße 81b 
Stiege 1, 1. Stock, 
Tel. 01 789 45 45

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